#1 Stadtführung

Städte sind nicht nur Ballungsräume von Menschen, Gebäuden, Verwaltungen und Strukturen, sondern eigene soziale Organismen, die sich laufend verändern. Städte können zugleich uralt und modern sein. Alte Straßen aus der Römerzeit, gepaart mit Architektur aus unterschiedlichen Epochen. Von Barock bis zur Moderne. Wir leben nicht nur in einer Stadt, wir sind die Stadt.

Viele Städte wurden aber erst im Zeitalter der Industrialisierung geformt und sind emporgewachsen. Pulsierende Metropolen, umgeben von Industriegebieten mit rauchenden Kaminen. Durch die hohe Dichte und die unkontrolliert wachsende Bevölkerung entstanden neue soziale und hygienische Probleme. Es war Zeit, die Stadt effizient zu gestalten; Zeit für die Eingliederung wichtiger Infrastrukturen wie Kanalisationen, kontrollierte Wasser- und Gasversorgungen, gepflasterte Straßen und die Müllabfuhr.
Nachdem eine großflächige Elektrizitätsversorgung gewährleistet war, kamen ab den 1890er Jahren öffentliche Verkehrsmittel zum Einsatz. Die Anfänge der Mobilität sorgte zugleich für die Entzerrung der Wohnverhältnisse durch Marginalsiedlungen.

Es wurde viel probiert, gebaut, modernisiert und abgerissen. Unterschiedlichste Strömungen beeinflussten mehr oder weniger erfolgreich den Stil der Stadt. Zwischen den 1950er und 1970er Jahren war die „autogerechte Stadt“ Leitbild in West und Ost. Innenstädte wurden nach und nach konsumgerecht ausgebaut und förderten damit die typischen Großsiedlungen an den Rändern der Städte. Diese Umstrukturierung veränderte auch das ganze Stadtbild und verstärkte abermals die soziale Segregation.

1973 führte die erste Ölkrise zu einer Rezession und dem Ergebnis autofreier Wochenenden. Alles zusammen förderte ein neues ökologisches Bewusstsein und eine Rückbesinnung zu traditionellen Werten. Die Großsiedlungen der 1960er Jahre gerieten in Kritik und junge Leute schätzten wieder die Altbauwohnungen. Straßenprojekte wurden nicht umgesetzt und Innenstädte vom Autoverkehr befreit. Es war die Geburtsstunde der Fußgängerzone, später kamen Fahrradwege und modernisierte öffentliche Verkehrsmittel hinzu, befördert von einem Generationenwechsel bei den führenden Stadt- und Verkehrsplanern (vgl. Schott 2014, S. 338-40).
Durch Kulturbauten und ein steigendes Angebot an Attraktionen und Freizeitangeboten wurde der Städtetourismus eingeläutet. Arbeit, Wohnen und Freizeit sollten nicht mehr in getrennten Zonen stattfinden, sondern in Stadtvierteln integriert werden. Die Industrie wurde aus der Stadt verdrängt, vor allem durch den wachsenden Dienstleistungssektor und die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Aufgrund des Zuwachses von unterschiedlichsten Milieus und Qualifizierungen, war es immer eine Herausforderung, eine gesellschaftliche Spaltung in den Städten zu verhindern. Denn eine Stadt sollte für alle da sein; lebenswert für jeden – ohne Abstriche.

Die Frage, was Städte lebenswert macht, wurde im Laufe der Geschichte unterschiedlich beantwortet. Seien es günstiger Wohnraum, ausreichend Arbeitsplätze, aber auch Integration, um die Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern. Heute erhalten Freizeitangebote und die Qualität öffentlicher Räume großen Zuspruch.

 

Aber die Stadt von morgen muss noch einen Schritt weiter gehen. In Zeiten des Klimawandels und der massiven Eingriffe in die Natur untersteht auch sie einer Verantwortung. Einer ehrlichen umweltbewussten Verantwortung.
Meine folgende Arbeit setzt sich mit der Stadt von morgen auseinander, insbesondere hinsichtlich sozialer und ökologischer Konzeptionen.








Nachtrag vom 06.02.2021:

Die Gestaltung der Website repräsentiert den urbanen Raum und auch dessen Zukunftsvision. Der Hintergrund mit seinen roten Punkten erinnert entfernt an eine Betonstruktur, zeigt zugleich aber auch die Dynamik der Stadt.

Ähnlich ist es mit der orange-roten Farbe, die ebenfalls für das Leben und die Bewegung steht.

Die runden Akzente, wie das Menü und der Mauszeiger auf der Startseite, stehen für die zukünftige Kreislaufwirtschaft und die vielen Zusammenhänge innerhalb der Stadt und ihrer Bewohner.

Die Aufteilung meiner Mappe 3 in die fünf Kapitel bezieht sich nicht nur auf den Aufbau in der Literatur, sondern auch auf die zukünftige Stadtgestaltung. Das Update. Schritt für Schritt. Kapitel für Kapitel.

Schott, Dieter (2014): Europäische Urbanisierung (1000-2000). Eine umwelthistorische Einführung. Köln, Weimar, Wien: Böhlau.